Ganztagsschulen bieten durch ihre längere Verweildauer der Kinder und Jugendlichen besondere Potenziale für die Integration digitaler Technologien. Hier können digitale Werkzeuge gezielt eingesetzt werden, um individuelle Zugänge, kreative Projekte, partizipative Prozesse oder medienpädagogische Erfahrungen zu ermöglichen – und das über den ganzen Tag.
Künstliche Intelligenz (KI) ist ein Bestandteil der digitalen Entwicklungen. Sie begegnet Kindern und Jugendlichen in vielen Alltagsanwendungen, oft, ohne dass sie als KI wahrgenommen wird. KI ist deshalb kein „neuer Bereich neben der Digitalisierung“, sondern eine Weiterentwicklung digitaler Technologien, die auch die Gestaltung der Ganztagsbildung betrifft.
Mehr Zeit – mehr Gestaltungsspielräume im Ganztag
Die längere gemeinsame Zeit im Ganztag eröffnet besondere Möglichkeiten für individuelle Förderung, Differenzierung und digitale Bildung. Digitale Angebote – etwa Lernplattformen, kreative Anwendungen oder begleitete Online-Formate – können genutzt werden, um Kinder und Jugendliche entsprechend ihrer Interessen, Kompetenzen und Bedürfnisse zu unterstützen. Auch KI-gestützte Anwendungen können dabei helfen, unterschiedliche Zugänge zu ermöglichen, sofern sie pädagogisch begleitet werden.
Ein zentraler Mehrwert des Ganztags liegt zudem in der kontinuierlichen Förderung von Medien- und digitalen Kompetenzen. Über den Tag verteilt können Kinder und Jugendliche – begleitet durch Lehr- und Fachkräfte – den sicheren, verantwortungsvollen und reflektierten Umgang mit digitalen Medien erlernen. Dazu gehören Informationsbeschaffung, kritische Bewertung digitaler Inhalte, kreative Nutzung digitaler Werkzeuge sowie ein erstes Verständnis dafür, wie digitale Systeme und KI funktionieren.
Analog und digital gemeinsam denken
Eine zentrale Aufgabe der Ganztagsbildung besteht darin, analoges und digitales Lernen nicht gegeneinander auszuspielen. Erforderlich ist ein Medien- und Digitalisierungskonzept für den ganzen Tag, das digitale, KI-gestützte und analoge Lern-, Spiel- und Erholungsphasen pädagogisch sinnvoll miteinander verbindet.
Lehr- und Fachkräfte stehen dabei vor der Aufgabe, eine angemessene Balance zu finden und sicherzustellen, dass digitale Technologien – einschließlich KI – die Bildungs- und Entwicklungsziele unterstützen und nicht dominieren.
Risiken im Blick behalten
So vielfältig die Chancen digitaler Medien und KI im Ganztag sind, so wichtig ist ein bewusster und verantwortungsvoller Umgang. Neben Fragen der Bildschirmzeit spielen auch Datenschutz, Datensicherheit und die Qualität digitaler Inhalte eine Rolle. Insbesondere KI-gestützte Anwendungen können fehlerhafte, einseitige oder schwer nachvollziehbare Ergebnisse liefern. Ganztagsbildung hat hier eine besondere Verantwortung: Digitale und KI-gestützte Angebote sollten altersgerecht ausgewählt, pädagogisch begleitet und gemeinsam reflektiert werden. Klare Regeln und Schutzräume unterstützen eine Nutzung, die Kinder und Jugendliche stärkt – statt sie zu überfordern.
Chancen verantwortungsvoll nutzen
Der Ganztag bietet – von der Primarstufe bis zur Sekundarstufe I – große Gestaltungsfreiheit, um digitale Medien und KI sinnvoll in den pädagogischen Alltag zu integrieren. Diese Chancen ermöglichen eine umfassende Förderung digitaler Kompetenzen und unterstützen Kinder und Jugendliche dabei, sich in einer zunehmend digitalisierten Gesellschaft orientieren zu können.
Gleichzeitig bleibt es entscheidend, potenzielle Risiken im Blick zu behalten und Digitalisierung im Ganztag stets verantwortungsvoll, altersgerecht und pädagogisch reflektiert zu gestalten.
Pädagogische Leitlinien
Um Digitalisierung und KI im Ganztag kind- und jugendorientiert zu gestalten, orientieren sich Angebote an folgenden Leitprinzipien:
- Ganzheitlich denken: Digital und analog gehören zusammen. Ein pädagogisch durchdachtes Medienkonzept verbindet digitale Erfahrungen mit sozialen, kreativen und motorischen Aktivitäten.
- Kompetenzen stärken: Kinder und Jugendliche sollen nicht nur digitale Tools anwenden, sondern verstehen, wie sie funktionieren, welche Chancen sie bieten und wo ihre Grenzen liegen.
- Begleitung statt Freigabe: Digitale und KI-gestützte Angebote werden von pädagogischen Fachkräften begleitet und reflektiert, um verantwortungsvolle Nutzung zu fördern.
- Schutzräume definieren: Nicht jede Phase im Ganztag braucht digitale Zeit; analoge Lern-, Spiel- und Erholungszeiten bleiben wichtig, um Überlastung zu vermeiden.
- Partizipation ermöglichen: Kinder und Jugendliche werden in die Gestaltung digitaler und KI-bezogener Angebote einbezogen, z. B. durch Rückmeldungen, Projektideen oder Evaluationen.
Primarstufe und Sekundarstufe I differenziert gestalten
Sowohl im Primarbereich als auch in der Sekundarstufe I gilt:
Bisherige Arbeitsweisen sollten nicht einfach auf digitale Tools übertragen werden. Digitalisierung – einschließlich KI – erfordert neue pädagogische Konzepte, die an der Lebenswelt, dem Entwicklungsstand und den Bedürfnissen der Kinder und Jugendlichen ansetzen.
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Kontakt
Saskia van den Berg
wiss. Mitarbeiterin
Dirk Fiegenbaum-Scheffner
Koordinator für Ganztagsbildung Sek I
