Dokumentation "ganz!im Gespräch - Wissenschaft trifft (Ganztagsschul-)Praxis"

Prof. Dr. Christian Montag - "Internet, Smartphone & Co. (nicht nur) in der Ganzagsschule: Gibt es ein Zuviel?" am 07.10.2019"

In der Vortragssreihe "Wissenschaft trifft Praxis"sprach Prof. Montag über das Thema Digitalisierung und ob es ein Zuviel davon geben kann.

Smartphone, Internet und digitale Welten bestimmen den privaten und schulischen Alltag der Kinder und Jugendlichen. Zweifelsohne haben uns die neuen technischen Möglichkeiten produktiver gemacht und in vielen Bereichen den Alltag erleichtert. Aber auch immer mehr junge Menschen kommen mittlerweile an einem Punkt an, wo „gefühlt“ das Zuviel an Digital erreicht ist (und die Produktivität auch kippen kann). Dies ist Grund genug, sich wissenschaftlich mit diesem Thema auseinanderzusetzen.

Prof. Dr. Christian Montag

Prof. Dr. Christian Montag ist Heisenberg-Professor fu?r Molekulare Psychologie an der Universität Ulm sowie Visiting Professor an der UESTC in Chengdu/China. Zuvor hat er in Gießen Psychologie studiert und an der Universität Bonn promoviert und habilitiert. Neben den biologischen Grundlagen der Persönlichkeit erforscht Christian Montag mit modernen wissenschaftlichen Methoden, wie sich ein Zuviel an Digital auf uns Menschen und unsere Gesellschaft auswirkt. Außerdem forscht er im Bereich der Neuroökonomik und Psychoinformatik. Im Jahr 2016 ist sein erstes populärwissenschaftliches Buch „Persönlichkeit“ und 2018 das Buch „Homo Digitalis“ erschienen.

Download des Vortrags von Prof. Dr. Christian Montag

„Multiprofessionelle Kooperation – Herausforderung und Nutzen für Ganztagsschulen“ – „Ganz!im Gespräch – Wissenschaft trifft (Ganztagsschul-)Praxis“ am 05.12.2018

„Multiprofessionelle Kooperation – Herausforderung und Nutzen für Ganztagsschulen“ – zu diesem Thema referierte Dr. Ilse Kamski (TU Dortmund) am 05.12.2018 im Bennohaus, Münster. Es war die fünfte Veranstaltung der Vortrags- und Diskussionsreihe „ganz! im Gespräch – Wissenschaft trifft (Ganztagschul-)Praxis“.

Frau Dr. Kamski betonte ihrem Fachvortrag die Bedeutung von Multiprofessionalität für ganztägige Bildung: Diese eröffne einen ganzheitlichen Blick auf die Kinder, die eine (offene) Ganztagsschule besuchten. Kinder und Jugendliche profitierten davon, aus unterschiedlichen professionellen Blickwinkeln wahrgenommen zu werden und nicht allein auf ihre Rolle als Schülerinnen und Schüler reduziert zu werden.

Durch die Entwicklung zur Ganztagsschule kommen verschiedene Professionen und Partner mit unterschiedlichen Erwartungen, Vorerfahrungen, aber auch unterschiedlichen Haltungen und Anstellungsmerkmalen zusammen. So seien multiprofessionelle Ganztagsschulteams auf Austausch und Aushandlungen angewiesen und müssten gemeinsame Haltungen, Regeln und Formen der Zusammenarbeit entwickeln.

Frau Dr. Kamski nannte verschiedene Entwicklungsmotoren, die in Ganztagsschulen die Grundlagen für eine erfolgreiche multiprofessionelle Zusammenarbeit bilden können und gab Hinweise, welche innerschulischen kooperationsunterstützenden Ziele und Maßnahmen im Schulprogramm festgelegt werden könnten. Ebenso nannte sie Tools und Checklisten, mit denen die „Baustellen“ für die Weiterentwicklung der Zusammenarbeit in der eigenen Ganztagsschule gekennzeichnet und diagnostiziert werden können. Hierzu gehört z.B. das Ablaufschema und die Checklisten aus der Broschüre „Kooperationen vereinbaren“ (Althoff/Schröer 2013) aus der Schriftenreihe „Der Ganztag in NRW“.

Der Abend war gekennzeichnet von einem regen Austausch mit den Teilnehmenden, die von ihren Erfahrungen mit der multiprofessionellen Kooperation in ihren Ganztagsschulen berichteten und auch strukturelle Rahmenbedingungen (wie z.B. zeitliche und finanzielle Ressourcen) ansprachen, die sich in ihrer Praxis auf die Zusammenarbeit der verschiedenen Professionen auswirken. Die Präsentation zum Vortrag finden Sie hier.

„Partizipation und Demokratiebildung von Kindern und Jugendlichen in der Ganztagsschule“ – „Ganz!im Gespräch – Wissenschaft trifft (Ganztagsschul-)Praxis“ am 07.11.2018

Am 07.11. fand die vierte Veranstaltung der Vortrags- und Diskussionsreihe „ganz! im Gespräch – Wissenschaft trifft (Ganztagschul-)Praxis“ im Bennohaus, Münster, statt. Prof. Dr. Katrin Aghamiri lud die rund 50 Zuhörenden ein, sich mit dem Thema „Partizipation und Demokratiebildung von Kindern und Jugendlichen in der Ganztagsschule“ auseinanderzusetzen.

Frau Aghamiri legte in ihrem Vortrag die Grundlagen von Demokratiebildung dar und nahm dabei insbesondere die Machtgefüge innerhalb von Bildungsinstitutionen in den Blick. Murmelrunden während des Vortrags boten den Teilnehmenden die Möglichkeit, ihre eigene Rolle, aber auch ihre „demokratische Sozialisation“ zu reflektieren: So tauschten sich die anwesenden Schülerinnen und Schüler, Studierenden, Lehr- Fach-, Leitungskräfte und Vertreterinnen und Vertreter der Bildungssteuerung und Jugendhilfeplanung unter anderem zu der Frage aus, wann/in welchem Kontext sie sich erstmals demokratisch einbringen konnten. Die Antworten zeigten die ganze Bandbreite an Demokratieerfahrungen auf: Viele hatten demokratisches Handeln bereits in der Herkunftsfamilie erlebt, andere schilderten ihre Demokratierfahrungen in der Schule oder im Rahmen verbandlicher Jugendarbeit.

Mit Blick auf die Ganztagsschulpraxis zeigte Frau Aghamiri sehr praxisnah auf, welche Möglichkeiten Ganztagsschulen für die Partizipation und die Demokratiebildung von Kindern und Jugendlichen bieten, so sie denn genutzt werden. Denn: Partizipationsgelegenheiten für Kinder und Jugendliche müssten zumeist erst einmal von den pädagogisch tätigen Erwachsenen geschaffen und gewollt werden. Hier betonte sie, dass Partizipation und Demokratiebildung kein Zugeständnis sein dürften, sondern dass aus dem Kinderrecht auf Mitbestimmung die Verpflichtung für Pädagoginnen und Pädagogen erwachse, diese Gelegenheiten zu schaffen. Insbesondere die Jugendhilfe böte als Bildungspartner zahlreiche Anknüpfungspunkte für Ganztagsschulen, um mehr Partizipation Demokratiebildung zu ermöglichen.

Die Präsentation zum Vortrag finden Sie hier.

„Rassismus(kritik) – ein Thema für Ganztagsschulen?!“: „Ganz!im Gespräch – Wissenschaft trifft (Ganztagsschul-)Praxis“ am 10.10.2018

„Rassismus(kritik) – ein Thema für Ganztagsschulen?!“ – so lautete der Titel des Vortrags von Prof. Dr. Karim Fereidooni (Ruhr-Universität Bochum) am 10.10.2018 im Bennohaus, Münster. Ein kleiner Teilnehmerkreis aus interessierten Lehr- und pädagogischen Fachkräften hatte sich zum dritten Termin der Vortrags- und Diskussionsreihe „ganz! im Gespräch – Wissenschaft trifft (Ganztagschul-)Praxis“ eingefunden, um mit dem Referenten über Fragen des Alltagsrassismus in (Ganztags-)Schulen zu diskutieren.

Ganz bewusst legte Herr Fereidooni in seinem Vortag den Schwerpunkt auf institutionellen Rassismus in Bildungseinrichtungen und nahm dabei insbesondere die Rolle der pädagogisch Tätigen in den Blick. Eindrücklich belegte der Referent, dass das Thema „Rassismus“ alle angeht: Selbst wenn ein Großteil der Lehr- und Fachkräfte in Ganztagsschulen nicht selbst Opfer rassistischer Zuschreibungen würde, so blicke doch eine jede Pädagogin/ein jeder Pädagoge durch eine spezifische Brille auf Schülerinnen und Schüler, deren Eltern oder Kolleginnen und Kollegen mit einem (zugeschriebenen) „Migrationshintergrund“. In diesem Zusammenhang sprach sich Herr Fereidooni unter anderem für einen reflektierten Sprachgebrauch aus: Der Begriff „Migrationshintergrund“ verstelle beispielsweise den Blick auf die Heterogenität der betitelten Gruppe und übergehe die Tatsache, dass viele Menschen, denen ein „Migrationshintergrund“ z.B. aufgrund ihres „nicht-weißen“ Erscheinungsbildes zugeschrieben werde, bereits in der vierten Generation in Deutschland lebten.

Anhand von Passagen aus Interviews mit Referendarinnen und Referendaren, die von Rassismuserfahrungen betroffen waren, zeigte Herr Fereidooni deutlich auf, welchen Anfeindungen, aber auch „lockeren Sprüchen“ und Witzen mit rassistischem Hintergrund viele (angehende) Lehrkräfte in ihrer Tätigkeit ausgesetzt sind: Ausgehend ebenso von den eigenen Kolleginnen und Kollegen wie von ihren Schülerinnen und Schülern. Auch die Rassimuserfahrungen von Schülerinnen und Schülern, die aufgrund einer dunkleren Hautfarbe oder eines Akzentes mit dem Attribut „Migrationshintergrund“  versehen wurden, thematisierte er.   

In einer anschließenden Diskussionsrunde hatten die Teilnehmenden Gelegenheit Fragen zu stellen und die Rassismuserfahrungen in ihrer eigenen beruflichen Praxis zu reflektieren.

Hier finden Sie die Präsentation zum Vortrag.


„Umgang mit Vielfalt in der Ganztagsschule“: „Ganz!im Gespräch – Wissenschaft trifft (Ganztagsschul-)Praxis“ am 12.09.2018

Am 12.09.2018 fand der zweite Termin der neuen Vortrags- und Diksussionsreihe  „ganz!im Gespräch – Wissenschaft trifft (Ganztagsschul-)Praxis“ statt. Rund 60 Teilnehmende hatten sich im Bennohaus Münster eingefunden um gemeinsam mit Prof. Dr. Matthias von Saldern über den „Umgang mit Vielfalt in der Ganztagsschule“ zu diskutieren. Auch diesmal stand die Veranstaltung ganz  im Zeichen des Wissenschaft-Praxis-Transfers.

Prof. Dr. von Saldern lud die Teilnehmenden ein, neue Sichtweisen auf das Thema „Vielfalt“ zu entwickeln: „Vielfalt“, so von Saldern, sei mitnichten mit der Integration einzelner Schülergruppen in das bestehende Bildungssystem gleichzusetzen, sondern setze strukturelle sowie politische Veränderungen und Änderungen von Haltungen voraus, um letztlich den individuellen Bedarfen aller Kinder und Jugendlichen gerecht zu werden.

„Vielfalt“ und „Inklusion“ müssten dabei mehrdimensional gedacht werden und gingen weit über die Inklusion von Menschen mit Behinderungen hinaus. Denn neben gesundheitlichen spielten soziale, kulturelle und individuelle Faktoren wie z.B. Migration, Hochbegabung, Armut, Religion, Geschlecht oder Alter eine große Rolle im Hinblick auf gelingende Bildungsbiografien und Bildungsgerechtigkeit. Vielfalt und Inklusion müssten daher weiter gefasst werden, als es bisher in Bildungspraxis und -steuerung häufig der Fall sei.

Zwischen den fachlichen Inputs lud Herr von Saldern die Anwesenden zu „Murmel-Phasen“ ein, in denen sie das Gehörte in Relation zu ihrem Praxiserleben setzen und sich mit anderen Teilnehmenden austauschen konnten. 

Hier finden Sie die Präsentation zum Vortrag.


Auftakt der neuen Veranstaltungs- und Diskussionsreihe „ganz!im Gespräch – Wissenschaft trifft (Ganztagsschul-)Praxis“ am 04.07.2018

„Bildung 2030 – Sieben Trends, die die Ganztagsschule revolutionieren“ – so lautete der Titel des Fachvortrags von Prof. Dr. em. Olaf Axel Burow am 04.07.2018 im Bennohaus, Münster. Nicht ohne Grund waren das Thema und der namhafte Referent für die Eröffnung der neuen Vortrags- und Diskussionsreihe der Serviceagentur „Ganztägig lernen“ Nordrhein-Westfalen (SAG NRW) „ganz!im Gespräch – Wissenschaft trifft (Ganztagsschul-)Praxis“ ausgewählt worden: So steht das neue Veranstaltungsformat ganz im Zeichen des Austausches zu aktuellen gesellschaftlichen und bildungsbezogenen Themen und deren Relevanz für Ganztagsschulen in NRW. Die Veranstaltung war – so wie auch die Folgeveranstaltungen– ganz bewusst auf die frühen Abendstunden gelegt worden, um gerade die Praktikerinnen und Praktiker nach Feierabend zu erreichen. Denn: Neben den fachlichen Inputs der Referierenden soll bei dem neuen Format die Praxis zu Wort kommen durch Wortbeiträge, Berichte aus der eigenen Ganztagsschulpraxis und (kritische) Nachfragen.

Sabine Schröer und Dörthe Heinrich, wissenschaftliche Mitarbeiterinnen in der SAG, führten die rund 70 Teilnehmenden aus ganz NRW – darunter viele pädagogische Fachkräfte und Lehrkräfte aus Ganztagsschulen – durch den Abend. Den Einstieg bildete der 45-minütige Fachvortrag.

Prof. Dr. Burow zeigte vor dem Hintergrund seiner langjährigen Erfahrung im Bereich der Bildungsforschung und -entwicklung aktuelle und zukünftige Herausforderungen und Entwicklungen für Ganztagsschulen im Primarbereich und in weiterführenden Schulen auf. Für die „(Ganztags-)Schule 2030“ machte Professor Burow „sieben Trends“ aus, die sich aus Sicht des Referenten massiv auf die (Ganztags-)Bildung  und die Bedingungen des Lernens und Aufwachsens auswirken:

Neben der allgegenwärtigen und weiter zunehmenden Digitalisierung müssten sich Pädagoginnen und Pädagogen künftig auf eine neue Berufsrolle einstellen, die u.a. stärker die individuelle Begleitung und Vernetzung der Schülerinnen und Schüler fokussiere, so seine These. Auch Lehr- und Lernräume müssten den veränderten Bildungsbedingungen angepasst werden (z.B. partizipativ entwickelte, multifunktionell-orientierte Raum(nutzungs)konzepte). Aufgrund der zunehmenden Belastung (sowohl der pädagogisch Tätigen als auch der Kinder und Jugendlichen) werde Gesundheitsorientierung für Ganztagschulen zunehmend wichtiger. Zudem spiele die Demokratisierung und Demokratiebildung in Schule und an außerschulischen Bildungsorten in der Kommune künftig eine noch stärkere Rolle, ebenso wie die Frage nach Zufriedenheit und „Lernglück“ der Heranwachsenden.

Eine anschließende Fishbowl-Diskussion lud dazu ein, auf der Grundlage des Vortrags miteinander ins Gespräch zu kommen und die Perspektiven der Ganztagsschulpraxis in Relation zum Gehörten zu setzen. Jeweils einen festen Platz in der Runde hatten fünf Expertinnen aus der Ganztagsschulpraxis der Primarstufe und der Sek. I sowie aus der kommunalen Steuerung. Karin Schild vom Fachdienst OGS der Stadt Münster beleuchtete die künftigen Herausforderungen und Chancen offener Ganztagsschulen aus der Perspektive der kommunalen Steuerung: So ist das Jugendamt Träger eines Großteils der offenen Ganztagsschulen im Primarbereich in Münster. Birgit Stegemann (Ganztagskoordinatorin der Augustinusschule, Dülmen) und Sabine Malecki (Schulleiterin der Paul-Schneider-Schule, Münster) vertraten die Praxis offener Ganztagsschulen im Primarbereich. Kathi von Hagen (Schulleiterin der Gesamtschule Münster Mitte) und Ulrike Schmitt-Emmerich (Schulsozialarbeiter der Gesamtschule Münster Mitte) schilderten künftige Entwicklungen und Herausforderungen aus Sicht einer weiterführenden Schule.

In der offenen Diskussionsrunde konnten die auch die Zuhörenden ihre Sichtweise auf eine „Ganztagsschule der Zukunft“ sowie die eigene Praxiserfahrung einzubringen. Häufig wurde auch das Wissen der Expert*innen nachgefragt, beispielsweise wenn es um Fragen der „Machbarkeit“ ging. Hierin waren sich die Anwesenden einig: Vielen zukünftigen Herausforderungen müssten Ganztagsschulen mit Mut und manchmal auch Geduld entgegentreten.

Dass das neue Format der SAG auf viel Zuspruch stieß, zeigten die Rückmeldungen der Teilnehmenden: So äußerten sich zahlreiche Teilnehmende positiv über den Vortrag, der „viele gute, neue Impulse“ vermittelt habe. Manch einer hätte im Anschluss „gerne noch mehr Zeit zum Diskutieren“ gehabt. Als besonders positiv empfanden viele Teilnehmende die Uhrzeit und das Format der Veranstaltung, denn: „Viele pädagogisch Tätige können sich keinen ganzen Tag frei nehmen für einen Fachtag oder ein Beratungsforum. Da ist es toll, eine solche Veranstaltung nach Feierabend besuchen zu können.“ In diesem Jahr werden noch vier weitere Veranstaltungen in der Reihe „ganz!imGespräch – Wissenschaft trifft (Ganztagsschul-)Praxis“ stattfinden – alle im Bennohaus Münster und in den frühen Abendstunden.