Baustein 1: Grundlagenwissen - Mittagspause

1.4. Mittagspause

A Thematischer Überblick

Mittagspause

Die Mittagspause ist das „Herzstück der Ganztagsschule“ (Kamski 2008: 567). In der Tagesstruktur trennt sie den Vor- vom Nachmittag und beinhaltet mit dem Mittagessen eine im Ganztag wichtige Komponente. Während die Mahlzeiten an sich unter gesundheitlichen Aspekten und mit Blick auf die Ernährungsbildung zu betrachten sind, gilt es für die soziale Situation des Mittagessens gemeinschaftsbildende Gesichtspunkte sowie im organisatorischen Bereich Aspekte wie Räumlichkeiten, Personal oder Zeiten zu beachten (vgl. ebd.). Nicht zuletzt bieten sich insbesondere in der Mittagspause neben der Nahrungsaufnahme Möglichkeiten zur Entspannung, zur Bewegung und zum informellen Lernen an (vgl. Schütz 2015: 204).

Beim Mittagessen stehen meist die gesundheitlichen Aspekte sowie die Ernährungsbildung im Fokus (Informationen dazu finden sich auf den Seiten der Vernetzungsstelle Kita- und Schulverpflegung NRW). Bei verschiedenen Formen der Schulverpflegung von der frischen Herstellung des Essens bis hin zu Cook & Chill Systemen hat „die Ausbildung von Ernährungskompetenzen und die Entwicklung eines gesundheitsfördernden Lebensstils“ (DGE 2018: 24) einen hohen Stellenwert. Entsprechende Empfehlungen gibt es aus dem Bereich der Ernährungswissenschaften, oft verbunden mit dem Blick auf die pädagogische Ausgestaltung (vgl. Seehaus 2014, S. 128). Eine noch immer oberflächliche Berücksichtigung findet dabei bisher das wichtige Thema der Mitbestimmung und Beteiligung von Kindern (vgl. ebd.: 137f.). Das Mittagessen bietet jedoch viele Möglichkeiten zur partizipativen Gestaltung, beispielsweise bei der Ausgestaltung von Speiseplänen über die Ausstattung der Räumlichkeiten bis hin zur Zubereitung des Essens.

Die soziale Situation des Mittagessens zeichnet sich durch gemeinsame Regeln und Rituale und die Möglichkeiten, miteinander zu kommunizieren, aus (vgl. Kamski 2008: 567). Dabei wird das soziale Miteinander auch generationsübergreifend zwischen Kindern und Erwachsenen gestärkt und gesundes Essverhalten sowie gesellschaftliche Konventionen werden eingeübt (vgl. Vogt/Rank 2019: 100f.). In eher kantinenähnlichen Settings, also wenn Kinder sich beim Mittagessen meist kurz Aufhalten und das Prozedere stark funktionalisiert ist, finden oft vielfältige Peer-Aushandlungen statt (vgl. Schütz 2015: 208ff.). Das Gegenteil stellen eher familienähnliche Settings dar, in denen oftmals die Mahlzeit gemeinsam organisiert wird und Tische fest besetzt sind, wodurch geregelte Kommunikation und Rituale unterstützt werden (vgl. ebd.: 211ff.).

Bei der Organisation des Mittagsessens stellen sich vielfältige Fragen wie die nach dem eingesetzten Personal, nach der Strukturierung der Zeit, der Planung von Speiseplänen, der Essensausgabe und Finanzierung bzw. Abrechnungsarten usw. (vgl. Kamski 2008: 571). Das Thema Räume hat auch in der Mittagspause einen besonderen Stellenwert. Die nutzbaren und vorhandenen Räumlichkeiten für das Mittagessen variieren stark. Von festen Räumen und ggf. vorhandenen Küchen bis hin zur multifunktionalen Nutzung von Räumlichkeiten zum Essen aber auch für weitere Angebote ist die Raumgestaltung von Bedeutung (vgl. Höhmann 2005: 91f.).

Darüber hinaus spiegelt gerade die Mittagszeit das erweiterte Bildungsverständnis einer Ganztagsschule als Lern- und Lebensraum wider, wenn die Schüler*innen in dieser Zeit das Schulgelände als Lebensort wahrnehmen, natürliche Gegebenheiten als Bewegungs- und Rückzugsräume entdecken sowie Aufbau und Pflege von Freundschaften betreiben können (vgl. Augsburg: 2017). Daher sind neben dem Mittagessen freiwillige, an den Interessen der Kinder orientierte Pausenangebote wichtig. Ob Sport, Musik, Rückzugsmöglichkeiten oder Freiräume, Angebote sollten einen Ausgleich schaffen und das Erleben von Kindern auch außerhalb des Unterrichts ermöglichen (vgl. Moog 2018: 21).

 

Literatur:

Augsburg, R. (2017): Mittagszeit ist Bildungszeit. Online: www.ganztagsschulen.org/de/24597.php (Zugriff: 04.03.2020)

DGE (Hg.) (2018): DGE-Qualitätsstandards für die Schulverpflegung. 4. Aufl. Bonn

Höhmann, K. (2005): Die Gestaltung der Mittagspause. Von der Leerzeit zur Lernzeit, in: Höhmann, K./Holtappels, HG./Kamski, I./Schnetzer, T. (Hrsg.): Entwicklung und Organisation von Ganztagsschulen. Anregungen, Konzepte, Praxisbeispiele. Dortmund: IFS-Verlag. S. 90-96.

Kamski I. (2008): Mittagsessen und Schulhof, in: Coelen T., Otto HU. (Hrsg.): Grundbegriffe Ganztagsbildung. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften. S.566-575.

Moog, P. (2018): Lern- und Erholungsräume gestalten. Lernen ohne Pause? Nein, danke! In: nds. Zeitschrift der Bildungsgewerkschaft. Jg.70/Heft 6/7. S. 20-21.

Rose L./Seehaus R. (Hrsg.) (2019): Was passiert beim Schulessen? Wiesbaden: Springer VS

Schütz A. (2015): Die soziale Situation des Mittagessens in der Ganztagsschule, in: Reh S./Fritzsche B., Idel TS./Rabenstein K. (Hrsg.) Lernkulturen. Schule und Gesellschaft. Wiesbaden: Springer VS

Seehaus, R. (2014): Erziehung und Bildung am Mittagstisch, in: Soziale Passagen 6, S.125–140

Vogt, B./Rank, A. (2019): Gemeinsam gesund durch den Tag. Verpflegung am Mittag, in: Steinhäuser, H./Zierer, K./Zöller, A. (Hrsg.): Portfolio Ganztagsschule. Baltmannsweiler: Schneider Verlag Hohengehren. S. 97-103.

B Praxisbeispiele

C Materialien/Methoden

D Literatur/Linktipps